Die Abteilung im Neuen Museum zeigte Porträt- und Landschaftsmalerei des
späten 18. Jahrhunderts und den größten Teil der Zeichnungen. Auf vier Säle
verteilt konnte man die Entwicklung der deutschen Kunst im 19. Jahrhundert
anhand der Zeichnungen und weiteren Gemälden, die in der Nationalgalerie
keinen Platz mehr fanden, nachvollziehen. Insgesamt kamen etwa 1200 Zeichnungen
und und mindestens 147 Gemälde zur Ausstellung. Da der Katalog der
Zeichnungen nicht wie der
Katalog der Gemälde
den Raum für die
einzelnen Werke angibt, kann der Standort der Zeichnungen nur sehr
rudimentär nachvollzogen werden. Wieder kann man nur auf den Führer von
Woldemar von Seidlitz
zurückgreifen und aus
den dort gemachten Angaben auf einzelne Werke schließen.
Betrachtet man die Gesamtgröße der Räumlichkeiten, so muß zunächst festgestellt werden,
daß sich der Raum für die Aufhängung als zu klein für die große Anzahl an
ausgestellten Werken erweist. Durch die zahlreichen Fenster im Westlichen
Kunstkammersaal war die Hängefläche äußerst begrenzt. Selbst bei mehrfachem
Übereinanderhängen hätte der Platz von gerademal 2 Meter in der Breite
nicht ausgereicht. Eine erste Möglichkeit der Verbesserung hätte sein können,
daß in diesem Saal die Fenster zur Hofseite durch Hängewände
verstellt worden wären. Aufgrund der dadurch entstehenden Lichtverhältnisse
ist die Möglichkeit des Einziehens von quer zur Außenwand stehenden
Hängeflächen, die von den Säulen bis zur Außenwand reichten, viel
wahrscheinlicher. Durch quer einfallendes Licht wäre damit eine gute, wenn
auch nicht optimale Lösung geschaffen worden. Ebenfalls postiv hätte sich die
Rhythmisierung des Raumes in einzelne Abschnitte ausgewirkt, die sich zur
Trennung der einzelnen Maler oder Schulen geeignet hätten. Für diese These spricht
ebenfalls, daß von Seidlitz in seinem Rundgang durch diesen Saal von Abteilungen
spricht, die genau der Anzahl der Kammern entspricht, die durch einen solchen
Umbau entstanden wären. Wenn dieser Raum umgestaltet wurde, so läßt sich
anhand der Quellenlage aber nicht sagen, ob bezüglich der Stellwände eine
ähnliche Dekoration wie in der Nationalgalerie verwendet wurde.
Ein Hinweis darauf hat sich
bis jetzt nicht gefunden. Ähnliche Probleme ergeben sich auch bei den anderen
Räumen. Nachweisen läßt sich, daß man durch Gestelle zusätzlichen
Ausstellungsmöglichkeiten schuf, die sich vor allem für kleinformatige
Objekte eigneten.
Die örtliche Trennung von Zeichnungen im Neuen Museum und Malerei und Plastik
in der Nationalgalerie wurde als ein Mangel seitens der Ausstellungsmacher
empfunden, dem man jedoch nicht auf andere Weise begegnen konnte: ,, Im
Allgemeinen fällt auf, daß nur in den allerseltensten Ausnahmen neben den
Bildern auch die Handzeichnungen für die Gewinnung eines Urteils herangezogen
sind ... Hätte der Raum gelangt, der für die Jahrhundertausstellung zur
Verfügung stand, so wären die Zeichnungen am besten in der Nähe der Bilder,
die sie ergänzen, untergebracht worden.`` Man erreichte diese Räume nachdem man vorbei an den Kaulbach-Fresken,
- die als Bestandteil der Ausstellung betrachtet wurden -
das große Treppenhaus im Neuen Museum durchschritten und sich oben
angelangt durch die linke Tür in den ersten Saal gewandt hatte. Dieser Saal war
noch immer für Gemälde reserviert, die in der Nationalgalerie
keinen Platz mehr gefunden hatten.
Rechts und links sah man hier Werke aus der
Zeit von 1775 bis zum frühen 19. Jahrhundert. Darunter war eine große Anzahl
Bildnisse von Malern, die in den künstlerischen Zentren Wien, Dresden, Stuttgart
oder Kassel gewirkt hatten.
Vertreten waren hier Adam Friedrich Oeser,
Daniel Chodowiecki, Anton
Graff, Johann Friedrich August
Tischbein oder Gerhard von Kügelgen. Diese
Bildnisse befanden sich vermutlich im vorderen Teil, darunter Oesers ,,
Bildnis der Kinder des Künstlers`` aus der Gemäldegalerie
Dresden
,
mindestens drei Werke des Daniel Chodowiecki mit den Titeln ,, Gesellschaft im
Tiergarten``
, ,, Blindekuhspiel``
und ,, Hahnenschlag``
. Anton Graff,
der lange Zeit in
Dresden tätig war, wurde in diesem Saal mit vier Bildnissen gezeigt.
Das
ovale Bildnis der ,, Elise von der Recke``
aus dem Jahr 1784 und das
Bildnis der ,, Frau Boehme``
konnten betrachtet werden. Aus dem Berliner Schloß sah man Johann
Friedrich August Tischbeins ,, Königin Luise``
.
Von Gerhard von Kügelgen wurden unter anderen
Werken ein ,, Brustbild Goethes``
aus Privatbesitz und ein
,, Brustbild Schillers``
aus dem Goethemuseum Frankfurt
gezeigt. Diesem kleinen Überblick über die Bildniskunst des späten 18. und
frühen 19. Jahrhunderts waren Landschafts- und Architekturmalerei vor allem des
Berliner Raumes hinzugefügt. Hier befand sich das einzige gezeigte Gemälde Jakob
Phillipp Hackerts ,, Gesellschaft im Tiergarten``
.
Karl Friedrich Schinkel war als
Maler mit mindestens drei Gemälden vertreten, darunter ,, Die Blüte
Griechenlands``
aus dem Jahr 1825, das sich nur noch als
Kopien des
Malers Wilhelm Ahlborn von 1836 in der Galerie der Romantik (Berlin)
erhalten hat.
, und dem sich heute im Besitz
der Berliner Nationalgalerie befindlichen ,, Rugard auf
Rügen``
, einer Landschaft die zu
einer Reihe gehört, die Schinkel anläßlich einer Erholungsreise auf Rügen
Bei dem auf der Jahrhundertausstellung
gezeigten Bild ,, Die Blüte Griechenlands`` handelte es sich um das Original. Den für die Berliner Malerei
des frühen 19. Jahrhunderts ebenfalls wichtige Maler Johann Erdmann Hummel zeigte man
mit zwei Versionen des Bildes ,, Die Granitschale``
in diesem Raum.
Eine eindeutige Platzierung kann man nur einem Bild
zuordnen, welches durch von Seidlitz genau lokalisiert wurde: Wenn man die Tür
durchschritten hatte und sich umwandte, fand man links neben dem Eingang ein Bild
von Ludwig Vogel mit dem Titel ,, Tellenfahrt``
.
Man schritt nun durch den kleinen Gang, der sich am rechten hinteren Ende des
Saales befand in den sogenannten Majolikasaal, der etwa die halbe Größe des
Östlichen Kunstkammersaales hatte und auf der linken Seite drei durch Stellwände
abgetrennte Kammern besaß. Diese Kammern wurden nicht für die
Jahrhundertausstellung eingebaut. Dieser zweite Saal war ebenfalls fast
auschließlich den Gemälden vorbehalten. An der linken Seite hingen zwei
Bildnisse Franz Krügers aus dem Jahr 1836, Karl Friedrich
Schinkel und den Mitbegründer
des Berliner Kunstgewerbemuseums Peter Christian Wilhelm Beuth darstellend.
Betrat man den Saal, dann wurde der Blick nach von Seidlitzs Aussage sofort auf ein
Bild Angelika Kauffmanns gezogen. Es war das ,, Bildnis einer Dame als
Vestalin``, ein in zurückhaltender Farbigkeit gemaltes weibliches Bildnis
in antikisierenden Gewändern, in der Hand die Öllampe als Zeichen der
Hüterin des ewigen Tempelfeuers. Rechts und links neben diesem Bild sah man
unter anderem zwei kleinere Innenraumbilder von
Daniel Chodowiecki. Insgesamt
war Chodowiecki in diesem Raum mit mindestens sieben Werken vertreten. An den beiden
Seitenwänden kamen Pastellbildnisse des späten 18. Jahrhunderts und Gemälde
Johann Heinrich Tischbeins zur Geltung.
Mit diesen beiden Sälen war die Ausstellung der Gemälde abgeschlossen.
Die Beschreibung dieser Säle durch von Seidlitz, der in diesen Räumen
keine Abteilungen voneinander schied, läßt vermuten, daß man diesen Räumen
trotz ihrer Größe eher einen der eigentlichen Ausstellung anhängenden
Charakter beimaß, während die folgende Präsentation der Zeichnungen ob ihrer
anderen Ausdrucksmöglichkeiten als integraler Bestandteil betrachtet wurde.
Dies drückt sich auch in der Rezeption durch die Presse aus.
Man verließ den Majolikasaal und trat in den Westlichen Kunstkammersaal ein.
Zunächst wandte man sich jedoch nach links, um in den relativ kleinen
Sternensaal zu kommen. Hier waren Zeichnungen bis etwa 1825 zu sehen. Dazu
gehörten Werke von Daniel Chodowiecki,
Wilhelm Schadow,
Peter Cornelius,
Anton Graff
oder
Julius Schnorr von Carolsfeld.
Noch in der Tür hing eine Vorzeichnung
Schnorr von Carolsfelds zu seinem Bild ,, Besuch der Eltern des Johannes bei den Eltern
Jesu``
, welches unter der Nummer 1570 in der Nationalgalerie hing und sich
heute in der Gemäldegalerie Dresden befindet.
An der rechten Wand zeigte man Bildnisse
Wilhelm Schadows und fünf seiner Karikaturen aus den napoleonischen Kriegen.
Weiter hinten folgte Peter Cornelius mit der Zeichnung ,, Sitzendes kleines
Mädchen``
und weiteren Studienblättern. An der linken
Wand sind vor allem zahlreiche Bildnis-Zeichnungen
Anton Graffs zu nennen.
Ebenfalls an dieser Wand hing ein Pastell ,, Selbstbildnis``
von Asmus Jakob Carstens.
Außerdem sah man fünf Rötelzeichnungen aus dem Jahr 1796, die Vorarbeiten zu
seinem Bild ,, Homer singt seine Lieder im Kreise des Volkes`` waren.
Alfred Rethel war mit einem Karton für die Aachener Rathausfresken vertreten.
Trat man aus dem Sternensaal heraus, sah man links den farbigen Karton ,, Die
Beschützer der Kunst`` von
Johann Friedrich Overbeck.Dieser Karton war ursprünglich
als Dekoration für das dem Kronprinzen Ludwig von Bayern von den in Rom
lebenden Künstlern gewidmete Fest 1818 gedacht. In der nächsten Abteilung
sind die Zeichnungen Runges zu nennen. Etwa auf mittlerer Höhe des
Raumes kam an der linken Wand eine Abteilung, die fast ausschließlich Caspar David
Friedrich gewidmet war. Hier hingen, zumeist aus Privatbesitz, etwa 60
Zeichnungen. Die Schmalwand und der hintere Teil der rechten Wand waren den
Arbeiten Anselm Feuerbachs vorbehalten. Ausgestellt waren etwa 40 Blätter.
Dabei dürfte schon allein wegen der Größe das Blatt ,,
Medea``
, eine Skizze in Tempera auf Papier, aufgefallen
sein. Der Rest der rechten Wand zeigte Arbeiten von
Hans von Marées , Franz von
Lenbach, Hans Thoma , Anton von Werner ,
Adolph von Menzel und anderen aus der
Zeit von 1825 bis 1875. Außerdem stellte man noch mindestes sechs Gestelle in den
Raum, in welchen weitere Arbeiten ausgelegt waren.
Den abschließenden Teil der Ausstellung im Neuen Museum fand man im Durchgang
zu den Räumen im Kupferstichkabinett. Raumbeherrschend dürfte dabei das
sechsteilige Panorama von Berlin des
Eduard Gärtner gewesen sein. Dazu kamen Bildnisse
Karl Friedrich Schinkels ,
Franz Krügers, sowie Arbeiten von
Eduard Schleich oder
Ferdinand von Olivier.