Der seit Beginn des Jahres 1900 wieder aktuell gewordene Gedanke einer
Jahrhundertausstellung begann im August zu konkreten Schritten zu führen. Alfred
Lichtwark schreibt am 21. August 1900 an die Kommission der Hamburger Kunsthalle:
,, Von gestern habe ich nachzuholen, daß die Verhandlungen mit Tschudi nun
endlich zu einem Abschluß gekommen sind. Wir wollen im November oder December
mit Schöne, Seidlitz, Woermann, Reber und Weizäcker zusammen in Berlin das
Programm der großen Revisionsausstellung über die deutsche Kunst des
neunzehnten Jahrhunderts eingehend beraten.`` Man wurde sich generell über die
Notwendigkeit einer solchen Ausstellung einig und begann die Lage zu sondieren.
Von Anfang an war Berlin als Veranstaltungsort vorgesehen.
Um die Kunstwerke zu beschaffen, war man auf die Hilfe von Museumsmitarbeitern,
Privatpersonen und Regierungen angewiesen, in deren Besitz sich die Werke
befanden. Es wurde deshalb begonnen die Lage zu sondieren, um sich der
Mitarbeit zu versichern.
Bereits bei den ersten Verhandlungen zur Durchführung 1901 stellte
Bayern ein besonderes Hindernis dar. Diese Ablehnung setzte sich auch 1904
bei den erneut einsetzenden Vorbereitungsarbeiten mit einer anderen
Argumentation fort. Es bedurfte eines zähen Ringens,
um die Empfindlichkeiten seitens der bayrischen Regierung auszuräumen und der
gesamte Vorgang stellt ein interessantes Beispiel für die
preußisch-bayrischen Kulturbeziehungen dar. Zunächst lehnte der
Kultusminister Bayerns von Landmann die Beteiligung ab, nachdem er einen Brief
von von Tschudi erhalten hatte. ,, Geheimrath von Reber konnte mir nach Tschudis
Brief nichts Neues mehr sagen. So kurz das Schreiben gefaßt war:
daß Bayern abgelehnt hatte, bei einer Ausstellung in Berlin mitzuwirken,
stand fest`` .
Lichtwark setzte sich daraufhin um den 14.Februar
1901 direkt mit ihm in
Verbindung, um die Sache persönlich zu klären. Lichtwark beteuerte, daß die
Beteiligung Preußens auch erst nach langem Überlegen seitens von Tschudis
zustande kam. Er ließ verlauten, daß nicht Berlin, sondern Hamburg der
Initiator war und konnte durch die Betonung auf den Reichscharakter der Ausstellung
die bundesstaatlichen Beziehungen aus der Diskussion lassen. Trotzdem war keine
direkte Einwilligung zu bekommen. Lichtwark sah sich nochmals genötigt, den
nationalen Charakter der Sache hervorzuheben. Er bot ihm an, die Angelegenheit noch
einmal in geeigneter Form vorzubringen und machte deutlich, daß man auf Bayern
nicht verzichten könne. Dieser geschickte Schachzug ermöglichte es dem
bayrischen Minister nicht sofort seine Entscheidung über eine Beteiligung
mitzuteilen und gestattete diesem einen vorläufigen Rückzug.
Eine endgültige
Einwilligung bekam Lichtwark nicht und er bemerkt zu den eventuellen Gründen:
,, Die letzten Gründe habe ich wohl nicht auf den Tisch gelegt
bekommen. Es ist die Abneigung gegen Berlin als Reichshauptstadt und vielleicht
die Furcht, mit Anträgen an den Prinzregenten zu gehen`` .
Bis zur Mitte 1904 lassen sich keine verstärkten Aktivitäten
nachweisen. Es mußte jedoch noch bis zum Jahre 1902 an der
Ausstellung gearbeitet worden sein, denn
Hugo von Tschudi schrieb am 10. Oktober 1904
an den Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten
Konrad Studt, daß er schon ,,... vor 2 Jahren ... Euer Exzellenz über die
Bedeutung eines solchen Unternehmens für die kunsthistorische Erkenntnis wie
für die künstlerische Betätigung kurzen Vortrag`` zu geben geruht
hatte.
Warum es 1904 doch noch zur Intensivierung der Vorbereitungen kam, die das
Projekt dann endlich zum Erfolg führten, läßt sich nicht mit Bestimmtheit
sagen. Verschiedene Aspekte könnten dabei eine Rolle gespielt haben. Zunächst
stand zu diesem Zeitpunkt fest, daß Bayern eine ähnliche Veranstaltung
plante. Dabei könnte man befürchtet haben, daß bei Ausführung der bayrischen
Jahrhundertausstellung, wenn sie gleiche oder ähnliche Schwerpunkte setzte,
der eigene Plan kein Interesse mehr hervorrufen würde. Eine zweite wesentlich
wahrscheinlichere Möglichkeit war das Hinzutreten von Julius Meier-Graefe. Den
drei Organisatoren Woldemar von Seidlitz, Alfred Lichtwark und Hugo von
Tschudi hatte ,,... sich nun noch
J.Meier-Graefe angeschlossen, der nun seine...
Kraft und seine ganze Zeit in
den Dienst der Sache stellen`` wollte.
Seitdem auch er sich um das Vorhaben kümmerte, beschleunigte sich die Umsetzung,
wenn es auch zu weit geht, wie Moffett zu sagen: ,, yet nothing was done until 1904, when
Meier-Graefe became interested in the project`` .
Daß er jedoch eine stark belebende Wirkung hatte, dafür könnte sprechen, daß
Hermann Uhde-Bernays ihn für den eigentlichen Initiator hielt und
Lichtwark ihn in seinem Katalogbeitrag über die Vorarbeit hervorhob, indem er
betont, daß er sich ,, schon vor Beginn der Arbeiten... mit dem Gedanken
einer Jahrhundertausstellung beschäftigt und zu der raschen Verwirklichung des
Unternehmens beigetragen hatte``
.
In einer Fußnote erwähnt Georg Kern Meier-Graefe: ,, Besondere Verdienste um
die Vorbereitung und das Arrangement der Ausstellung erwarb sich Herr Julius
Meier-Graefe. ``
Die Beteiligung Meier-Graefes an den Arbeiten wurde immer wieder heftigst
von verschiedenen Seiten angegriffen, da er im eigentlichen Sinne kein
offizielles Amt innehatte und seine Mitarbeit als der Versuch gewertet wurde,
sich in ein offizielles Projekt einzumischen, um sich persönlich Vorteile zu
verschaffen und es nach seinen Vorstellungen zu modifizieren.
Sein Einsatz für die moderne Kunst allein war schon
verschiedenen Leuten Anlaß genug, diese Ausstellung nicht unterstützen zu
wollen. Georg Galland sieht in seinem anonym erschienenen Artikel Meier-Graefe
als den Drahtzieher der Veranstaltung und bewertet die sich in Vorbereitung
befindende Ausstellung als den Versuch einer Legitimierung sezessionistischer
Kunst.
Die Frage, welchen Umfang seine Beteiligung wirklich hatte, läßt sich sich
nur sehr schwer beantworten. In Publikationen wird er entweder gar nicht
erwähnt oder es wird ihm kurz gedankt. Babara Paul schreibt dazu: ,, Das
Verschweigen von Meier-Graefes Namen
wurde jedoch, wie einigen Aktenstücken
des Kultusministeriums zu entnehmen ist, von offizieller Seite angeordnet. Man
wollte Meier-Graefe nicht mit der staatlich geförderten und als nationales
Prestigeobjekt angesehenen Jahrhundertausstellung in Verbindung bringen, hatte
er doch im vorangegangenen Jahr den Böcklin-Streit vom Zaun
gebrochen`` .
Nachweislich führte er über den gesamten Zeitraum wenigstens teilweise die
Korrespondenz der Ausstellung.
Er erarbeitete die etwa 2000 Kurzbeschreibungen der
Gemälde für den großen Katalog.
Durch seine ihm eigenen Art
und Weise andere für die eigene Sache begeistern zu können, konnte sicher manch
nutzbringende Verbindung geschaffen werden. Sein Anteil an den Vorbereitungen
kann also durchaus als hoch eingeschätzt werden. Die Aussage ,, One can
clearly see Meier-Graefe behind this project``
ist dennoch irreführend, denn die deutsche
Kunst des frühen und mittleren 19. Jahrhunderts war nicht eigentlich sein
Gebiet. Die Dynamik in den Vorbereitungen ist sicher zu einem Teil auf ihn
zurückzuführen. Er war
es auch, der ebenfalls darauf drängte, das Unternehmen nicht zu gefährden, indem
seine Person zu sehr betont wurde.
Als Hugo von Tschudi im Jahre 1904 dem Kultusminister
den Plan darlegte, stand die Struktur der
Organisation bereits fest. Sie bestand im wesentlichen aus drei Teilen: dem
Vorstand der Jahrhundertausstellung, dem Komitee der Förderer und den
einzelnen Lokalausschüssen, die eine Vorauswahl aus den regionalen Beständen
treffen sollten.
Der Vorstand bestand im August 1904 aus drei Personen. Hinzu kam Meier-Graefe,
der jedoch keinen offiziellen Sitz hatte. Alle drei,
Hugo von Tschudi, Alfred
Lichtwark und Woldemar von Seidlitz beteiligten
sich bereits 1900 an den
ersten Besprechungen. Dieser vorläufige Vorstand sollte jedoch noch
um ein Mitglied erweitert werden. Man dachte an
Franz von Reber, der ebenfalls bei den
Gesprächen 1900 mit dabei war und 1905 das Amt des Direktors der
Münchner Museen innehatte. Damit wären die vier Hauptzentren Berlin,
München, Hamburg und Dresden vertreten gewesen. München hatte jedoch
durch die vorgesehene Münchner Jahrhundertausstellung seine
eigenen Pläne. Man war
dort nun nicht mehr bereit sich zu beteiligen. In einem Brief beklagt sich
von Tschudi noch 1905, es hätte ,, selbst der Konservator der Galerie in
Schleißheim... seine Beteiligung mit dem Hinweis verweigert, daß er sich
nicht bei einem , Konkurrenz-Unternehmen` der Münchner Ausstellung
beteiligen könnte.`` Reber lehnte seine
Mitarbeit auch nach Aufforderung ab.
Erst nach Verhandlungen
zwischen Anton von Wehner und
Konrad Studt , bei denen Studt wahrscheinlich
erwähnte, daß der Kaiser die Nationalgalerie für das Projekt zur
Verfügung stellen würde
, wurde die Berliner Ausstellung von
bayrischer Seite nicht mehr behindert und Franz von Reber etwa im Juli 1905
offiziell Mitglied des Vorstandes der Jahrhundertausstellung.
Außerdem zog man auf Anordnung des Kaisers
einen Kommissar hinzu, dessen Aufgaben sich wohl auf Berichterstattung
beschränkten. Dieser Kommissar war der für das Ressort Kunst zuständige
Mitarbeiter des Kultusministeriums Schmidt . Die wahrscheinlich größte
Befürchtung von Tschudis die Zusammensetzung des Ausstellungskomitees betreffend
war damit nicht eingetreten. In einem Begleitschreiben zum vorläufigen Programm
der Ausstellung schreibt Studt an Schmidt: ,, Sollte seine Majestät wie
Tschudi fürchtet noch A.v.Werners Zuziehung anordnen, so würden die
außerpreußischen Mitveranstalter voraussichtlich zurücktreten und damit
auch die Hälfte der außerpreußischen Museen und damit in gewisser Weise
der ganze Plan in Schlagfall kommen.``
Die Aufgabe des Vorstandes war die Koordinierung der Vorgänge,
die Organisation der Veranstaltungsorte für die Ausstellung, die Geldbeschaffung und
die letztendliche Auswahl der Werke. Hugo von Tschudi ,
der die Funktion des
Direktors der Nationalgalerie innehatte, mußte den Kultusminister Studt darum bitten, sich der Aufgabe
als Vorsitzender des Ausstellungskomitees widmen zu dürfen ,, so weit dies
mit der Erfüllung [seiner] amtlichen Pflichten
verträglich``
war, da es sich nicht um eine
Veranstaltung der Nationalgalerie handelte. Die Erlaubnis wurde ihm erteilt.
Ursprünglich hatte man wohl gehofft
staatliche Mittel zu bekommen. ,, Denn während ehedem die Absicht bestanden
hatte für die Ausstellung Beiträge aus Reichmitteln zu erbitten, was indes
wenig Aussicht auf Erfolg bot so soll nunmehr versucht werden Kunstfreunde zur
Beschaffung eines Garantiefonds heranzuziehen`` .
Zur Beschaffung der notwendigen Geldmittel wurde deshalb ein ,, Komitee der
Förderer`` ins Leben gerufen.
Um die
potentiellen Förderer mit der Sache bekannt zu machen, verfaßte man ein
Schreiben, welches das Vorhaben der Jahrhundertausstellung kurz darlegte und den
Grund der Bitte, sowie den Verwendungszweck des Geldes beschrieb. ,, Um dem
Unternehmen die finanzielle Unabhängigkeit zu sichern, haben wir beschlossen,
durch den Appell an die private Kunstpflege eine Garantiesumme
zusammenzubringen, und hoffen, dass eine so sehr den höchsten nationalen
Interessen dienende Sache nicht der Gönner entbehren wird. Die FOERDERER
werden eine eigne Körperschaft in der Organisatioan bilden. Die Maximalkosten
betragen 70000 Mark und dürften durch Eintrittsgelder und den Verkauf des
Katalogs reichlich gedeckt werden. Der Ueberschuss soll einem wohltätigen
Zweck künstlerischer Art dienen, über dem die Gönner mit dem Vorstand
gemeinsam entscheiden werden.``
Als Förderer galten jedoch nicht nur
geldgebende Personen, sondern auch jene, die durch ihren Namen der Sache
dienlich sein konnten.
Diesem Anschreiben war eine Erklärung
beigefügt, mit der sich der Unterzeichnende bereit erklärte, einen Anteil, das
waren 10.000 Mark, bei Bedarf seitens des Vorstandes beim Schatzmeister einzuzahlen.
Selbstverständlich konnte man auch für mehr als einen Anteil zeichnen, was
verschiedentlich auch geschah. Die meisten Förderer kamen aus Berlin.
Eduard Simon, Julius Simon,
Arnold von Siemens oder
Julius Stern gaben mehr als 10.000
Mark.
Anfang 1905 waren bereits aus Berlin 150.000 und aus Bremen 80.000 Mark
zugesagt
, also wesentlich mehr als nach den ersten
Berechnungen benötigt wurde.
Weitere Förderer kamen aus Köln, Dresden, Essen und Wien. Das
Komitee der Förderer besaß keinerlei Einfluß auf die Auswahl der Werke oder
die Gestaltung der Ausstellung. Die Beschaffung des Geldes auf privater Ebene
hatte zudem den Vorteil, daß man relativ frei an die Gestaltung gehen konnte,
ohne eine allzu starke Einflußnahme von offizieller Seite befürchten zu
müssen. Gegebenenfalls hätte man den Ausstellungsort wechseln können, wenn
sicher auch nur unter Schwierigkeiten.
Da man innerhalb des Vorstandes nicht in der Lage war, alle Bestände der Museen
selbst zu sichten, wurden lokale Ausschüsse gebildet, denen die Aufgabe zukam,
die örtlichen Bestände auf das Vorhaben hin zu überprüfen und eine
Vorauswahl zu treffen, die dann durch Vertreter des Vorstandes endgültig
bestätigt werden sollten. Hugo von Tschudi formulierte die Rolle der einzelnen Komitees so:
,, Dem kommenden Arbeitsausschuss dem die Direktoren der wichtigen Deutschen
Kunstsammlungen angehören werden, fällt die Aufgabe zu innerhalb bestimmter
Reisen das Material ausfindig zu machen und dem Vorstand zur... Auswahl
vorzulegen`` ..
Dazu wurden, ähnlich dem Komitee der Förderer, den
Direktoren der Kunstsammlungen ein Schreiben zugesandt, in dem um die Mitarbeit
gebeten wird und betont: ,, Die vor uns liegende Arbeit ist sehr
umfangreich, da sie nicht nur das grosse Gebiet aller Länder deutscher
Zunge umfasst, sondern notwendiger Weise auch auf solche Erscheinungen zielen
muss, die noch der allgemeinen Kenntnis fern liegen. Sie kann nur durch
hingebende Betätigung aller Berufenen zum erfolgreichen Ende geführt
werden`` .
Die Frage,
welche Künstler überhaupt vertreten sein sollten, war bereits durch den
Vorstand entschieden worden. Denjenigen, die ihre Mitarbeit zugesagt
hatten, schickte man eine erste Liste mit Künstlernamen. Die Anzahl der
nationalen und internationalen Auswahlkomitees betrug über fünfzig und
wurden in den meisten Fällen von Museumsdirektoren geleitet. So standen in
Deutschland beispielsweise
Bremen Gustav Pauli (Direktor der Kunsthalle),
Kölln Hofrat C. Aldenhoven (Direktor des Wallraf-Richartz-Museum), Dresden Karl
Woermann (Direktor der kgl. Gemäldegalerie), Hagen Karl Ernst Osthaus
oder Weimar
Harry Graf Kessler (Direktor des Großherzoglichen Museums für Kunst und
Kunstgewerbe) vor.
Im Ausland waren es in London
Sir Charles Holroyd (Direktor der National Gallery of British Art) oder in
Petersburg
A. Somof (Direktor der Eremitage).
Die Methode der
lokalen Ausschüsse hatte neben den rein zeitlichen Gründen einen weiteren
Vorteil. Da neben den Direktoren der Museen auch Lokalforscher und andere
Spezialisten den Ausschüssen angehörten, konnte man hervorragend auf deren
Wissen zurückgreifen und brachte so die Werke zum Vorschein, die für die
Entwicklung der Künstler wichtig waren, aber offiziell nie oder sehr selten
gezeigt wurden. ,, Die Aufmerksamkeit wird besonders auf Jugendwerke solcher
Meister zu richten sein, deren Eigenart sich später verwischt
hat.``
Wie von Tschudi in einem anderen Brief berichtete, wurden
vielfach ,, vorbereitete Lokalausstellungen veranstaltet, die in den
betreffenden Gebieten das Interesse für das grössere Unternehmen wecken und
gleichzeitig dann dem Vorstand die Auswahl erleichtern``
sollten.
Nachdem der Kultusminister Studt dem Kaiser das Anliegen der
Jahrhundertausstellung übermittelt hatte, zeigte sich
Wilhelm II. im Februar
1905 bereit dem
Anliegen zu entsprechen und die erbetenen beiden Obergeschosse der
Nationalgalerie zur Verfügung zu stellen.
Verbunden mit diesem Einverständnis
war das Verlangen, das Program der Ausstellung zu erstellen und ihm vorzulegen.
Nachdem er das Programm gesichtet hatte, gab er die endgültige
Zusage.
Damit
wurde die bisher auf eher privater Ebene organisierte Ausstellung zu einem
staatlich anerkannten und geförderten Projekt. Dies hatte auch Auswirkungen
auf das Verhalten Bayerns zu diesem Unternehmen.
Die sich bereits 1901 bei den ersten Verhandlungen anbahnende Ablehnung seitens
Bayerns, setzte sich 1904/05 bei den konkreten Verhandlungen fort. Dies zeigte
sich, wie weiter oben bereits erwähnt, einerseits darin, daß man keinen
Beamten für den Vorstand zur Verfügung stellen wollte, andererseits auch
darin, daß man nicht gewillt war Werke aus bayrischem Besitz herzuleihen.
Offensichtlich war Lichwark davon ausgegangen, daß sein
persönliches Vorsprechen beim damaligen Kultusminister Bayerns von Landmann
im Jahre 1901 dahingehend gewirkt hatte, daß
man dem Berliner Unternehmen von dieser Seite entgegenkam. Es war bis
zum Jahre 1904 keine definitive
Ablehnung erfolgt. Lichtwark rekapituliert in einem Brief an Anton von Wehner
die bisherigen
Ereignisse und betont, daß die Münchner Ausstellung ja eigentlich schon für
1905
geplant war und nur durch eine Lenbachausstellung verschoben wurde. Außerdem
war die Sache ihm, Adolph von Wehner, in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt worden
und er verstehe nicht, warum keine Unterstützung von der Seite Bayerns erfolgt.
,, Am 1.
oder 2. Oktober 1904 hatte ich die Ehre, Eurer Exzellenz den Plan der
allgemeinen deutschen Jahrhundertausstellung 1906 zu
unterbreiten.``
Den Gründen, die zu einer Abneigung gegen
die geplanten Jahrhundertausstellung bei den Verhandlungen mit von
Landmann 1901 führten, wurden nun neue hinzugefügt. Anläßlich eines
Jubiläums des bayrischen Königshauses plante man eine eigene
Jahrhundertausstellung. Scheinbar befürchtete man, daß die bayrische Ausstellung
eine zu starke Konkurrenz von Berlin bekommen würde und versuchte seinerseits
die Sache möglichts zu behindern. Obwohl sich Lichtwark sofort für ein
gemeinsames Auftreten beider Veranstaltungen aussprach, die durch verschiedene
Schwerpunkte ihr eigenes Profil behalten würden,
sprach sich von Wehner für eine Separierung aus. Wiederum wurde der Eintritt Franz
von Rebers in das Berliner Ausstellungskomitee nicht gestattet.
Von Wehner sah es wohl auch nicht
als notwendig an, die Mitarbeiter der in ersten Vorbereitungen steckende Münchner
retrospektive Ausstellung von diesem Gespräch in Kenntnis zu setzen. Eduard
Baron
von der Heydt, der an den Vorbereitungen der Münchener Ausstellung beteiligt
war, berichtete Wehner von der Komiteesitzung in München und machte
darauf
aufmerksam, daß man von dieser Seite erstaunt war und von Berlin nichts
wußte.
Wehner versuchte die Schuld an dieser Unkenntnis
von sich zu weisen:
,, Die Überraschung ist wohl auch erklärlich, weil das Komitee erst damals
von dem Berliner Unternehmen Kenntnis erhielt, welches auch zu der Zeit, als
wir die Sache besprochen, erst Projekt, noch nicht beschlossene Sache
war.``
Damit hatte er in gewisser Hinsicht nicht unrecht,
denn erst im Februar 1904 mit der Einwilligung Wilhelms II. bekam das Berliner
Projekt feste Züge, denn zu diesem Zeitpunkt war dann die wichtigste,
die Raumfrage geklärt. Allerdings bleibt zu fragen, ob nicht ein absichtliches
Verschweigen zugrunde lag, weil eine Abneigung gegen Berlin nicht zu überwinden
und die Befürchtung, am Ende nur als Anhängsel gesehen zu werden, zu groß war.
Die aus allem resultierende und für Berlin wichtige Frage war dann,
,, ob die bayrische Staats- bzw. Kgl. Sammlungen die für
unsere Ausstellung in Betracht kommenden Werke herleihen
wollen`` .
Am 28. April 1905 berichtete der Verleger
Bruckmann von Tschudi: ,, Ueber meine Rücksprache mit Baron von der
Heydt beehre ich mich, mitzuteilen, dasz man in den maszgebenden Kreisen
das Berliner Unternehmen als eine Konkurrenz des Münchner Unternehmens
auffaszt und der Ansicht ist, dasz, wenn im Februar in Berlin eine
Gesamtausstellung deutscher Kunst des vorigen Jahrhunderts stattfindet,
im Juni für das bayrische Unternehmen wenig Interesse mehr vorhanden sein
wird. ... Jedenfalls scheinen die Beamten der verschiedenen Museen, in
erster Linie dahin zu wirken, dasz möglichst wenig aus Münchner Privatbesitz
nach Berlin geschickt werde`` .
Er empfahl den bayrischen Prinzregenten direkt
zu bitten, die Berliner Angelegenheit seinen bayrischen Beamten zu empfehlen,
,, da es die Regierung ihren Staatsangehörigen als eine
unfreundliche Handlung auslegen dürfte, wenn Sie für Ihr Unternehmen zum
Schaden des hiesigen wirken`` .
Die Verhandlungen mit Bayern zogen sich und hatten noch zu keinem
Ergebnis geführt.
Lichtwark beklagte sich in einem Brief an den bayrischen Minister Wehner vom
22. März 1905 über die mangelnde oder sogar fehlende Unterstützung durch die
bayrischen Sammlungen.
Um nicht auf die Gemälde aus den bayrischen
Sammlungen verzichten zu müssen, ersuchte von Tschudi den
Kultusminister Konrad Studt um
Vermittlung. Er bat darum ein Rundschreiben an alle Bundesstaaten zu schicken
und wies noch einmal auf die besondere Situation mit München hin. Es müsse,
so schrieb er, ,,... der dortigen Regierung gegenüber besonders betont werden, daß in
Wahrheit unsere Ausstellung keine Konkurrenz bedeute`` .
Die Zeit
drängte und verlangte schnelle Entscheidungen. Studt sollte erwähnen,
daß der Kaiser die Räume der Nationalgalerie zur Verfügung gestellt hatte,
wahrscheinlich um dem Anliegen einen offiziellen Charakter zu geben und zu
zeigen, daß das Projekt das Interesse der höchsten Stellen besaß.
Dieses Rundschreiben wurde versandt und am 3. Juli 1905 kann
Studt von Tschudi
mitteilen, daß es seitens des bayrischen Ministers des Innern nun keine
Schwierigkeiten mehr geben wird, wenn es zu keinerlei Behinderung der Münchner
Ausstellung kommt.
Außerdem erwäge man nun Bilder für Berlin herzuleihen. Wie bereits weiter
oben erwähnt, führte dieses Rundschreiben dann auch zur Beteiligung Franz
von Rebers am Ausstellungskomitee.
Neben Lichtwark, der mit dem bayrischen Kultusminister von Wehner in schriftlichem
und persönlichen Kontakt stand, versuchte auch von Tschudi mit Hilfe des
dem Ausstellungskomitee als Kommissar angehörenden Mitarbeiter des preußischen
Kultusministeriums Friedrich Schmidt
und dessen Einfluß die Ablehnung in Bayern zu überwinden.
Im April 1905 bot sich Schmidt offensichtlich Tschudi bei
der Vermittlung an.
Am 29. April 1905
schrieb Tschudi an Schmidt: ,, Es scheint ... dringend geboten mit
Nachdruck in München zu arbeiten. Außerdem ist es wichtig die Befürchtungen
zu zerstreuen als machten wir Konkurrenz.`` Er betont weiterhin: ,,
Was die Münchner aufregt hat wirklich mehr Grund in partikularistischen
Empfindlichkeiten als in den wirklichen Verhältnissen`` . Schmidt wollte wohl daraufhin versuchen in München an
einigen Stellen für die Jahrhundertausstellung zu wirken, denn
von Tschudi schrieb wenig später an Schmidt, daß er ihm dankt,
,, in München Druck ausüben zu wollen`` .
Dabei war er auch bereit, Entgegenkommen zu zeigen und Bayern bei eigenen Unternehmen
mit Kunstwerken aus dem Besitz der Nationalgalerie zu helfen. Diese Zusagen
waren dann allerdings noch vom Kultusminister selbst abhängig,
was er jedoch geflissentlich verschwieg.
Nachdem seit Juli 1905 keine größeren Schwierigkeiten mehr zu befürchten
waren setzte von Tschudi alles daran, schnellstmöglich eine Auswahl von Bildern
aus bayrischen Staatsbesitz zu treffen und sie dem bayrischen Minister von Wehner
vorzulegen. Er wollte vor allem die Bilder Hans von Marées für
die Ausstellung sichern und konnte auch davon ausgehen, daß er sie bekam, denn er
wußte zu diesem Zeitpunkt schon, daß das bayrische Unternehmen einer
Jahrhundertausstellung nur die Zeit zwischen 1800 und 1850 darstellen sollte.
,, Andererseits besteht für die bayrische Regierung kein Grund, die
in Staatsbesitz befindlichen Bilder aus späterer Zeit vor allem aus den wichtigen
70er Jahren, die Werke Marées, auf die es uns besonders ankommt, zu
verweigern``, so Hugo von Tschudi an Konrad Studt.
Da nur noch begrenzt Zeit bestand, um die Werke in ganz Deutschland und
Europa zu sichten, begannen die Vorstandsmitglieder die einzelnen Städte
abzureisen. Sie besichtigten sowohl die Galerien, als auch die durch die
Lokalausschüsse getroffenen Zusammenstellungen. Von Tschudi reiste 1905 in
Zusammenhang mit der Ausstellung nach Hamburg, London, Paris, Brüssel,
Amsterdam, Petersburg, Moskau, Helsingfors, Stockholm, Kopenhagen, Danzig,
Königsberg, Breslau, München und Frankfurt. Zum Teil versuchte man
durch persönlichem Kontakt Werke aus Privatbesitz für die Ausstellung zu
erhalten. Eines der Hauptwerke Moritz von Schwinds konnte nur durch
die Überzeugungsarbeit Alfred Lichtwarks gewonnen werden: ,, Es ist
gelungen: Baron Franckenstein hat nachgegeben. Ich hatte gar nicht gewußt,
daß er auf eine schriftliche Bitte von Berlin schon abgelehnt hatte. In
München hatten sie mir gesagt, jeder Versuch wäre vergeblich. Wie
das so geht: statt den Brummbären fand ich einen Mann von besten
Formen, der zwar gleich nein sagen wollte, aber auf meinen Rath, mich
erst zu hören, einging, alle möglichen Schwierigkeiten machte - wer
Schwierigkeiten vorschiebt, ist schon auf dem Rückzug-, schließlich
erst überlegen wollte und noch einmal zu correspondieren wünschte,
aber dann auf die Bemerkung, daß das ihm und uns überflüssige Arbeit
mache, und daß er doch Manns genug wäre, jetzt zu wollen, was er in
vier Wochen wollen werde, glatt zustimmte... Sein , Aschenbrödel`
hätte nicht entbehrt werden können. Es ist für die Ausstellung das Werk
von Schwind`` .
Bereits im August 1905 wurde klar, daß dringend Raumzuwachs erforderlich war.
Eine günstige Gelegenheit der Beseitigung dieses Umstandes ergab sich dadurch,
daß das Antiquarium aus
den Räumen im Neuen Museum auszog und diese dem Kupferstichkabinett
zur Nutzung übergeben wurden. Da es dabei zu Verzögerungen kam, standen diese
Räume leer. Die Ausstellungsleitung hatte vor die Zeichnungen dort zu
plazieren, da ihre Hängung in der Nationalgalerie aus Platzgründen nur
noch in geringem Maße möglich gewesen wäre. Von Tschudi schrieb an die
Generalverwaltung der Museen und bat für die Zeit der Jahrhundertausstellung
um diese Lokalität, indem er die Gründe für sein Anliegen nennt:
,, Für unser Unternehmen wäre dieser
Raumzuwachs von größter Wichtigkeit, da nur so eine genügende Vertretung
der zeichnenden Künste ermöglicht werden könnte. Ein Verzicht auf diese
Säle würde aber auch eine Beschränkung der ehedem nicht sehr reichlich
bemessenen Räume, die für die eigentliche Gemäldeausstellung bestimmt
sind, zur Folge haben`` . Diese Bitte
wurde erfüllt und damit wurde das Neue Museum zu einem zweiten wichtigen
Ausstellungort für das gesamte Unternehmen. Fast der gesamte Bestand an Zeichnungen
konnte so gezeigt werden. Außerdem wurde zusätzlich Platz für weitere
Gemälde geschaffen.
Schnell wurde außerdem klar, daß die geplanten zwei Stockwerke in der
Nationalgalerie allein für die Gemälde nicht ausreichen würden.
In einem Zwischenbericht über den aktuellen Stand der Vorbereitungen
machte von Tschudi den Kultusminister Studt
auf diesen Umstand aufmerksam. Er berichtete, daß alles einen erfreulichen
Fortgang nimmt und die Ausbeute sehr groß sei.
Hinzu käme, daß durch
Vermittlung seitens des Ministerium der russische Zar Nikolaus II. die Erlaubnis erteilt
habe, aus den russischen Schlössern die benötigten Werke auswählen zu können.
Dies gereiche vor allem der Berliner Kunst, speziell Franz Krüger
zum Vorteil, der damit durch einige sich im Besitz Rußlands befindende Werke
sehr gut und umfangreich vertreten sein würde. Geschickt leitet von Tschudi
sein Vorhaben um weiteren Raumzuwachs ein. ,, Soweit sich die Lage bis jetzt
überblicken läßt, verspricht die Ausstellung in umfassenden und imposanten
Stile das künstlerische Schaffen in Deutschland in der Zeit von 1775 bis 1875
zu geben`` und schließt im gleichen Atemzug an: `` Es lässt sich
eben auch jetzt schon erklären, daß zur vollen Entfaltung dieses Stils die
zwei oberen Stockwerke der Nationalgalerie nicht ausreichen werden. Ein großer
und unwiderbringlicher Verlust für deren kunsthistorische Erkenntnis wäre es,
wenn durch Raummangel diese einzige Gelegenheit, eine Vorstellung von den
künstlerischen Kreisen zu geben, die während eines Jahrhunderts bei uns
tätig waren, nicht voll ausgenutzt werden könnte`` .
Er bittet um das Erdgeschoß der Nationalgalerie. Außerdem solle dem
Kaiser das Protektorat über die Ausstellung angetragen werden.
Kultusminister Studt selbst leitete den Bericht an den Kaiser in einem Schreiben
vom 5. November 1905 weiter.
Er benutzte dazu teilweise wörtliche Wiederholungen
des Schreibens von Tschudis und erweiterte diese. ,, Die Ausstellung scheint
auch ... besonders geeignet, durch Darlegung der gesunden Entwicklung der deutschen
Kunst die Künstler zur Selbstbesinnung zu führen und im Sinne der von Eurer
Majestät mehrfach ausgesprochene Mahnung, daß der Kunst der Gegenwart das
Studium der älteren Meister als Richtschnur dienen möge, zu wirken.``
Am 16. November 1905 erging dann die Mitteilung von Studt an
von Tschudi, daß der Kaiser über
den Fortgang der Ereignisse erfreut sei, das Erdgeschoß zur Verfügung
stelle, jedoch das Protektorat über die
Ausstellung ablehne.
Der Kaiser habe vorgeschlagen, dieses dem Kronprinzen
anzutragen. Dieser Vorschlag wurde in die Tat umgesetzt.
Zu diesem Zeitpunkt war Alfred Lichtwark in Deutschland und der Schweiz unterwegs,
um eine Auswahl der Gemälde zu treffen. Der Zeitmangel führte dazu, daß
er oft an einem Tag in mehreren Städten anzutreffen war: ,, Dann war ich
auf der Flucht in Hannover, Kassel, Frankfurt, Mainz, Mannheim, Karlsruhe,
Darmstadt, Freiburg und in allen Städten der Ost- und Mittelschweiz und will
nun nach der Westschweiz. Den ganzen Tag öffentliche und Privatgalerien...`` .
Die Auswahl der Werke war dann bis etwa
Mitte Dezember im wesentlichen abgeschlossen.
Bereits am 13. November 1905 erschien im Reichs- und Hauptanzeiger die
Information, daß die Nationalgalerie ab Dienstag, dem 21. November wegen der
Vorbereitungen zur Jahrhundertausstellung bis auf weiteres geschlossen
bliebe.
Es war allerdings noch nicht klar, wann die Ausstellung selbst eröffnet
werden sollte. Noch Anfang Dezember gab man als Termin ungefähr die erste
Hälfte des Januars an.
Die Briefe Lichtwarks an Graf Leopold von Kalckreuth
geben Hinweise auf den weiteren Verlauf der Vorbereitungen. Vermutlich
erst im letzten Drittel des Dezembers 1905 trafen die meisten Leihgaben in
Berlin ein. Zwischen dem 21. und 23. Dezember war Lichtwark in Berlin, um die
Hängung der Hamburger Abteilung vorzubereiten.
Bemerkenswert bei der
Zusammenstellung der Leihgaben
ist, daß die Auswahl der Werke aus den eigenen Museen
der Vorstandsmitglieder wahrscheinlich von den jeweils anderen
getroffen wurden. So jedenfalls kann man vermuten, wenn Lichtwark in einem
Brief Auskunft über das Verfahren gibt: ,, Prof. L. hat Herrn v.
Seidlitz gebeten, in Hamburg die Auswahl zu treffen, da er selber den
Dingen zu nahe steht. Einer nach dem andern haben sie gewählt, aufgenommen
sind nur, die sie beide bezeichnet hatten. Bei der Ausstellung der
Hamburger in der N.G. hat Prof. L. die ihm dort überflüssig scheinenden
Bilder zurückgestellt, Herr v.Tschudi hat sie, da Platz war, wieder
eingefügt`` .
Am 27. Dezember 1905 wurden die Bilder aus der
Hamburger Kunsthalle nach Berlin gesandt. `` Heute sind unsere Bilder -
gegen 190 aus der Kunsthalle - nach Berlin gegangen. Übermorgen fange ich an
zu hängen.``
Bereits am 30. Dezember war Lichtwark dann wieder
in Berlin, um die Hängung der Hamburger Abteilung durchzuführen.
In der Zeit
bis etwa 5. Januar 1906 wurden in der Nationalgalerie alle Eingänge
an Kunstwerken durch den
Vorstand nochmals gesichtet und die endgültige Zusammenstellung bestimmt.
,, Über Neujahr war ich in Berlin, um die Jahrhundertausstellung mit
zu sichten. Nächste Woche muß ich zum Hängen hinüber. Es wird wohl manchen
überraschen, was da zusammenkommt.``
Die Hängung der Werke zog sich vermutlich bis kurz vor Eröffnung
der Ausstellung hin.
Am 20. Januar 1906 wurde die anstehende Eröffnung durch eine Notiz
bekannt gemacht: ,, Die Eröffnung der deutschen Jahrhundertausstellung in
der Nationalgalerie ist nunmehr auf den nächsten Mittwoch, mittags 12
Uhr, angesetzt. Es findet zur Eröffnung ein Festakt statt, dem der
Kronprinz beiwohnen wird, der bekanntlich auch das Protektorat über die
Ausstellung übernommen hat`` .
Am 22. Januar wurde eine Vorbesichtigung durch die
Presse durchgeführt.
Dadurch
konnten die Leser der Tageszeitungen bereits
einen Einblick in das, was zu sehen sein würde, bekommen.
,, Die Eröffnung der Deutschen Jahrhundert-Ausstellung vollzog sich heute
in den Mittagsstunden in den einfachsten Formen. Im ersten Cornelius-Saale hatten
sich die Geladenen versammelt. Um zwölf Uhr wurde der Kronprinz ...
von dem Komitee ... empfangen und eingeführt.
Geheimrat von Reber wies in einer
Ansprache auf den Zweck der Ausstellung hin, verschollenen und verkannten
Künstlern ihr Recht zu geben, dankte allen Fürsten, Galerieleitern und
Privaten für ihre bereitwillige Unterstützung und pries besonders
die Verdienste Lichtwarks und Tschudis um dieses schöne Werk. Darauf erklärte
der Kultusminister die Ausstellung für eröffnet, und so begann ein Rundgang.``
Nochmals spiegeln sich in
der Eröffnungsrede, speziell in der Person von Rebers, die preußisch-bayrische
Anstrengungen um die Jahrhundertausstellung wieder. Wenn man ihm die Rede
anvertraute, so war dies sicher auch ein Akt von Glättung des durch die Vorbereitungsarbeiten stark aufgewühlten
Meeres. Zu dieser Frage schrieb Emil Heilbut: ,, Schon amtlich konnte es
Herrn v. Reber nicht recht möglich sein, die Tendenz der Ausstellung
schlankweg zu der seinen zu machen.
Umsomehr mochte sich freilich im allgemeinen eine politische Erwägung
darin spiegeln, dass man just dem bejahrten Leiter der Münchner Kunstsammlungen
die Erklärungsrede für diese Ausstellung anvertraute``.
Die Ausstellung war von Montags bis Sonnabends von 10-16 Uhr und Sonntags von 12 bis
16 Uhr geöffnet. Der Eintritt betrug bis auf Dienstags einee Mark. Der Dienstag sollte
dem Fachpublikum vorbehalten bleiben. Deshalb war der Eintrittspreis für
diesen Tag auf fünf Mark festgesetzt.